Nach einer mehr oder weniger erfrischenden Nachtruhe im Kühllabor packten wir um kurz vor sieben unsere Sachen zusammen und stiegen die 6 Stockwerke hoch an Deck, um beim Sonnenaufgang über der Adria zu frühstücken. Wie der ganze Rest des Schiffs, also teilten wir uns die stille Schönheit mit einer mittleren italienischen Kleinstadt – schön wars trotzdem. Und vor allem: anständiger Espresso aus der Schiffsbar! Doswidanje slowenisch-kroatischer Pulverkaffee!
In Ancona angekommen machten wir uns gleich auf den Weg Richtung Perugia, unserer ersten Station an diesem Tag. Die Landschaft wurde langsam schöner, die Strassen kurviger, und ein Strassenschild erklärte dann auch warum: Benvenuto a Umbria!
Kurz vor Perugia dann ein Schrei übers Intercom: Assisi! Da steht Assisi! Das sind nur 10 km! Da müssen wir hin! Jan war zunächst nicht ganz so überzeugt, und ich befürchtete schon, dass ich uns in irgendeine langweilige Pilgerstadt schleppen würde, aber an einer bestimmten Stelle öffnete sich plötzlich ein Panorama-Ausblick auf die auf einem Berg gelegene Stadt – überwältigend!
Assisi war dann auch aus der Nähe betrachtet wunderschön, nur tatsächlich vom Pilgertourismus geprägt und dementsprechend überorganisiert und -reglementiert. Überall Verbotsschilder, aber die nette Polizeistreife zeigte uns dann einen Parkplatz der trotzdem ging. Wir erliefen uns die Altstadt und besuchten die total verstopfte, kommerzialisierte Doppelbasilika des Hl. Franziskus – wenn man die Tourimassen, die Tour-Guides, die „Sponsored by …“-Schilder und die bezahlpflichtigen elektronischen Infotafeln ausblenden kann (konnte Jan nicht so gut), ist es trotzdem ein sehr beeindruckender und schöner Bau, mit wunderschönen, üppigen und üppig bunten Wand- und Deckenmalereien, Reihen von Chorstühlen mit jeweils unterschiedlichen Holzintarsien… viel zu Entdecken!
Nach der Altstadt wollten wir noch einen Abstecher zum unterhalb gelegenen Kloster (?) San Damiano machen – mittlerweile hatte jedoch die Mittagshitze voll zugeschlagen, und nach den 5 Minuten Fahrt kochten wir mal wieder in unseren Anzügen – also weiter, Scheiss auf Kultur, Hauptsache Fahrtwind!
Unsere nächste Station Perugia war den Besuch auf definitiv wert, auch wenn wir auf dem Weg dahin wieder mehrmals von den italienischen bereiften Mordkommandos (Autos) bedrängt wurden. Die Italiener DENKEN zwar, dass sie gleichzeitig telefonieren, sich die Haare machen und in der dritten Spur (die auf dem Mittelstreifen) fahren können, aber das klappt nicht immer. Egal, wir kamen an, Perugia war schön, aber mittlerweile ordentlich aufgeheizt. Deshalb hatte auch die Kappelle mit dem Raphael-Fresko zu: Nachmittagspause. Zum Glück bieten Altstädte viel Schatten, und vielleicht lag es an dieser Schattensuche, aber wir haben uns hoffnungslos verlaufen. Trotzdem wir mehrfach falsch geschickt wurden (von deutschen Touristen, deutschen Studenten und italienischen Anwohnern) fanden wir irgendwann unsere Moppeds wieder und machten uns auf zur nächsten Etappe – nach Chiusi, wo die Toscana beginnt und wo Jans Freund Alessandro lebt. Den von ihm empfohlenen Campingplatz am See fanden wir recht schnell, und nach dem Zeltaufbau und einer dringend nötigen Dusche holte uns Ale für unser Abendprogramm ab. Zusammen mit seiner Freundin Nicoletta sind sie Mitorganisatoren eines lokalen Rockfestivals, eigentlich ein Bier-Essen-Jahrmarkt-Rock-Festivals (http://www.liverockfestivalofbeer.it) , bei dem die Omis aus dem Ort hinter den Kulissen das (mehrgängige, hervorragende) Essen zubereiten, das dann vorne von der nächsten oder übernächsten Generation serviert wird. Und nachher machen sich alle schick und gehen von Stand zu Stand und hören der Musik zu, auch wenn ich vermute dass die wenigsten aus der Generation 70+ mit Tricky (dem Main Act am Freitag) was anfangen konnten.
Wir haben fürchterlich viel getrunken, unter anderem mehrere sehr gute Biere (Zwick’l Kellerbier, vom Fass!) und viel zu viel gegessen, und sind kurz nach dem letzten Konzert auf einer Bank eingepennt wie die Fünftklässler. War halt auch ein langer Tag – aber ganz großartig!
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